Was die Hufe deines Pferdes über Gesundheit, Bewegung und Gleichgewicht verraten
Die Hufe deines Pferdes sind kein Beiwerk. Sie sind kein Detail am unteren Ende des Körpers. Und sie sind ganz sicher nicht nur etwas, das „der Schmied halt macht“.
Die Hufe sind das Fundament deines Pferdes. Sie sind der erste Kontakt zur Erde, der Anfang jeder Bewegung – und ein ehrlicher Spiegel dessen, wie ausbalanciert sich dein Pferd tatsächlich bewegt.
In meiner Arbeit sehe ich immer wieder Pferde, bei denen man lange über Rücken, Training oder Verhalten spricht, während die Hufe kaum Beachtung finden. Dabei erzählen sie oft schon sehr früh, dass etwas nicht stimmt. Nicht laut. Aber eindeutig.
Hufbalance ist kein Trendthema. Sie ist ein Wegweiser.

Warum die Hufe so viel mehr sagen, als wir glauben
Jeder Schritt deines Pferdes beginnt im Huf. Wie er aufsetzt, wie er abrollt, wie gleichmäßig er belastet wird – all das beeinflusst den gesamten Körper. Die Gelenke, die Sehnen, den Rücken, den Rumpf, sogar das Nervensystem.
Ein unausbalancierter Huf zwingt den Körper zur Kompensation. Und Kompensation ist etwas, das Pferde sehr gut können – aber nur eine gewisse Zeit. Danach beginnt der Körper, an anderer Stelle zu bezahlen.
Deshalb ist Hufbalance kein isoliertes Thema. Sie ist Teil der Gesamtgesundheit.
Regelmäßige Bearbeitung ist keine Option – sondern Voraussetzung
Ein gesunder Huf wächst kontinuierlich. Wird er zu lange sich selbst überlassen, verändern sich Hebel, Winkel und Belastungsverhältnisse. Deshalb ist eine regelmäßige Bearbeitung essenziell.
In der Praxis hat sich ein Intervall von 5–8 Wochen bewährt. Wie eng dieses Zeitfenster sein sollte, hängt vom einzelnen Pferd ab: von Wachstum, Stoffwechsel, Nutzung und Untergrund.
Befindet sich ein Pferd in einer Umstellung – sei es nach einem Beschlag, in der Reha, bei einer Hufkorrektur oder im Training – sind kürzere Intervalle sinnvoll. Manchmal macht es sogar Sinn, sich unter Anleitung des Schmieds oder Hufbearbeiters selbst etwas Wissen anzueignen, um kleine Korrekturen zwischen den Terminen vorzunehmen. Nicht, um alles selbst zu machen – sondern um feinfühlig begleiten zu können.
Hufbalance entsteht nicht punktuell. Sie ist ein Prozess.
Die Mechanik des Hufes – Grundlage für Balance und Gesundheit
Der Huf ist ein hochkomplexes, lebendiges System. Er ist Stoßdämpfer, Pumpmechanismus und Tragefläche zugleich. Damit er diese Aufgaben erfüllen kann, braucht er Freiheit, Durchblutung und funktionierende Mechanik.
Ein gut ausbalancierter Huf kann sich beim Auffußen weiten, beim Abrollen zusammenziehen und so den gesamten Bewegungsapparat entlasten. Ist diese Mechanik gestört – durch falsche Winkel, zu lange Hebel oder mangelnde Symmetrie – verliert der Huf seine natürliche Funktion.
Und der Körper beginnt, das auszugleichen.
Barhuf als gesündeste Grundlage – mit Augenmaß
In den meisten Fällen ist es für das Pferd am gesündesten, barhuf zu laufen. Der Huf kann sich natürlich anpassen, die Durchblutung funktioniert besser, die Eigenwahrnehmung des Pferdes bleibt erhalten.
Auf steinigem Gelände oder bei empfindlichen Pferden können Hufschuhe eine wertvolle Unterstützung sein. Sie schützen temporär, ohne die Hufmechanik dauerhaft einzuschränken. Ich bevorzuge Hufschuhe, die unter dem Kronrand enden. Sie können auch bei längeren Ritten getragen werden und scheuern weniger. Eine gute Passform sollte jedoch oberste Priorität haben.
Natürlich gibt es Ausnahmen. Bei angeborenen Fehlstellungen, in bestimmten Rehabilitationsphasen oder bei extremer sportlicher Belastung kann ein Beschlag sinnvoll oder sogar notwendig sein. Wichtig ist hier nicht das Dogma, sondern die individuelle Entscheidung für das einzelne Pferd.

Woran du eine gute Hufbalance erkennst
Eine gesunde Hufbalance zeigt sich nicht an einem einzigen Detail, sondern im Gesamtbild.
Die Hufe wirken symmetrisch, sowohl innerhalb eines Hufes als auch im Vergleich der beiden Vorder- oder Hinterhufe. Sie tragen gleichmäßig, ohne dass eine Seite deutlich stärker beansprucht wird.
Auch die Winkel geben Hinweise. Als grobe Orientierung gelten:
- Vorderhufe: etwa 45–50 Grad
- Hinterhufe: etwa 50–55 Grad
Diese Zahlen sind keine starre Vorgabe, sondern Richtwerte. Entscheidend ist immer, ob der Winkel zur Anatomie des Pferdes passt und ob sich das Pferd darin frei und gleichmäßig bewegt.
Huf- und Fesselwinkel – warum sie zusammengehören
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Hufbalance ist das Zusammenspiel von Hufwinkel und Fessel.
Idealerweise folgt der Hufwinkel der Fessellinie – und arbeitet nicht gegen sie.
Steht der Huf deutlich steiler oder flacher als die Fessel, entsteht ein unphysiologischer Hebel. Die Belastung wird nicht mehr gleichmäßig durch das Bein geführt, sondern an bestimmten Strukturen abgefangen. Das betrifft vor allem Sehnen, Bänder und den Hufmechanismus selbst.
Ein stimmiger Huf-Fessel-Winkel sorgt dafür, dass Kräfte harmonisch durch das Bein laufen können. Ist dieses Verhältnis gestört, zeigt sich das früher oder später im gesamten Bewegungsapparat – oft lange bevor Lahmheit entsteht.

Spannungsrisse sind Warnsignale – keine Nebensache
Spannungsrisse im Huf sind keine rein kosmetische Erscheinung. Sie sind ein deutliches Warnsignal dafür, dass Belastung, Bewegung oder Balance nicht stimmig sind.
Oft entstehen sie, wenn der Huf ungleichmäßig arbeitet, wenn die Ballenbewegung eingeschränkt ist oder wenn Hebelkräfte dauerhaft falsch wirken. Bei einer guten, regelmäßigen und zum Pferd passenden Bearbeitung sollten solche Risse nicht dauerhaft auftreten.
Tauchen sie immer wieder auf, lohnt es sich, genauer hinzuschauen: auf die Hufbalance, auf die Bearbeitungsintervalle – aber auch auf die Bewegung, das Training und die Gesamtkörperbalance des Pferdes. Der Huf zeigt sehr ehrlich, wenn etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Ein oft übersehener Hinweis: Hör deinem Pferd beim Gehen zu
Ein kleiner, aber unglaublich aufschlussreicher Tipp:
Hör deinem Pferd beim Führen bewusst zu.
Die Lautstärke, mit der ein Pferd mit den einzelnen Füßen auftritt, verrät oft mehr, als man auf den ersten Blick sieht. Setzt ein Fuß deutlich lauter auf als die anderen, deutet das auf eine höhere Belastung hin. Auch Unterschiede zwischen Vor- und Hinterhand sind aufschlussreich.
Ist die Vorhand sehr leise, während die Hinterhand deutlich lauter auftritt, kann das ein Hinweis auf fehlende Tragkraft vorne oder auf eine ungleichmäßige Lastverteilung sein. Umgekehrt kann eine sehr laute Vorhand darauf hindeuten, dass das Pferd stark auf die Schultern fällt.
Diese akustischen Hinweise sind keine Diagnosen – aber wertvolle Signale. Sie laden dazu ein, genauer hinzuschauen und das Bewegungsbild ganzheitlich zu betrachten.
Klammes Gehen ist kein Charakterzug
Ein Pferd, das dauerhaft klamm, vorsichtig oder steif läuft, hat Schmerzen. Punkt. Auch wenn dies immer auf härteren oder holprigeren Untergründen auftritt und auf sehr weichen Böden nicht.
Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn dein Pferd nach dem Schmied- oder Bearbeitungstermin deutlich schlechter läuft, klamm wird oder sogar lahmt. Das ist kein „normaler Übergang“. In vielen Fällen wurde der Huf zu kurz bearbeitet oder die Sohle zu stark belastet.
Hier darf und sollte man hinterfragen, ob der aktuelle Hufbearbeiter wirklich der richtige für dieses Pferd ist.
Ein Ziel jeder guten Bearbeitung ist es, die Sohle zu stärken, nicht sie empfindlicher zu machen. Ein Huf, der dauerhaft schmerzhaft reagiert, kann keine gesunde Mechanik entwickeln.
Hufbalance ist ein Spiegel des Körpers
Hufe erzählen Geschichten. Sie spiegeln Schiefe, Blockaden, Belastungsmuster und Trainingszustände.
Ein Pferd, das sich einseitig trägt, wird diese Einseitigkeit früher oder später in seinen Hufen zeigen. Ungleichmäßige Trachten, schiefe Abnutzung, unterschiedliche Ballen – all das sind Hinweise auf innere Dysbalancen.
Bei meinem eigenen Pferd Fellow sehe ich sehr deutlich, wie sich körperliche Blockaden oder Schiefe direkt in der Hufbalance zeigt. Für mich ist sie ein wertvoller Indikator dafür, wo wir im Training oder in der Balance genauer hinschauen dürfen.

Warum Training für die Hufbalance entscheidend ist
Hufbearbeitung allein kann keine dauerhafte Balance herstellen.
Wenn der Körper schief bleibt, wird auch der Huf wieder schief.
Deshalb arbeite ich immer auch über gezieltes, biomechanisch sinnvolles Training an den Schwachstellen des Pferdes. Wenn Tragkraft aufgebaut wird, wenn der Rumpf besser trägt, wenn das Pferd sich gleichmäßiger organisiert, verändern sich auch die Hufe.
Nicht über Nacht. Aber nachhaltig.
Achtsamkeit statt blindes Vertrauen
Dieser Artikel soll kein Misstrauen säen, sondern Bewusstsein schaffen.
Schmiede und Hufbearbeiter leisten wichtige Arbeit. Doch niemand kennt dein Pferd so gut wie du.
Hufe sollten nicht etwas sein, das „nebenbei gemacht wird“. Sie verdienen Aufmerksamkeit, Beobachtung und Mitdenken. Ein paar Minuten bewusstes Hinschauen können langfristig große Probleme verhindern.
Je mehr Augen und Verständnis wir den Hufen widmen, desto früher erkennen wir Veränderungen – und desto besser können wir reagieren.
Die Hufe sind kein Detail – sie sind die Basis
Hufbalance ist kein Randthema. Sie ist die Grundlage für gesunde Bewegung, für Tragfähigkeit, für Wohlbefinden.
Die Hufe deines Pferdes zeigen dir, wie es sich wirklich bewegt.
Sie zeigen dir, ob es ausweicht, kompensiert oder in Balance ist.
Und sie erinnern uns daran, dass Gesundheit immer am Boden beginnt.
Wenn wir lernen, die Hufe nicht als lästiges Beiwerk zu sehen, sondern als wertvolle Wegweiser, verändern wir nicht nur die Füße – sondern das ganze Pferd.
Wenn du dein Pferd ganzheitlich begleiten möchtest, melde dich gern. Dann schauen wir gemeinsam hin – vom Huf bis zur Balance im ganzen Körper.

Der Schlüssel zum Herzen unserer Pferde ist ihre körperliche und mentale Gesundheit.
Ich bin Mareile Purwita, Pferdetrainerin und Therapeutin für QiOsteopathie & Chinesische Heilkunst für Pferde. Ich möchte dir helfen, dein Pferd besser zu verstehen, es gesund zu trainieren und eine echte tiefe Verbindung zu ihm aufzubauen.

