Warum ich Fellow das Apportieren beigebracht habe – und warum das niemals nur Training war

Warum ich Fellow das Apportieren beigebracht habe – und warum das niemals nur Training war

Wenn Menschen Fellow beim Apportieren sehen, fragen sie mich fast immer dasselbe. Wie hast du ihm das[…]

Wenn Menschen Fellow beim Apportieren sehen, fragen sie mich fast immer dasselbe. Wie hast du ihm das beigebracht? Und ich verstehe die Frage. Es sieht schön aus. Es wirkt spielerisch, leicht, fast selbstverständlich. Was die meisten dabei nicht ahnen: Hinter dieser einen Übung steckt ein langer, manchmal sehr schwieriger Weg. Ein Weg, der nicht mit Training begonnen hat, sondern mit Verstehen. Und der ohne therapeutische Begleitung auf mehreren Ebenen so nie möglich gewesen wäre.

Das ist die Geschichte, die ich erzählen möchte.

Wer Fellow ist – und was in ihm steckt

Fellow kam aus einem guten Ausbildungsstall zu mir. Er war jung, die Grundlagen seiner Ausbildung waren gelegt, aber vieles war noch offen. Und irgendwo auf seinem bisherigen Weg hatte er das Vertrauen in Menschen verloren. Nicht weil ihm jemand absichtlich Böses wollte, sondern weil er einfach nicht verstanden worden war.

Ich habe ihn übernommen, weil ich seine Persönlichkeit gesehen habe. Hinter dem, was andere als Problemverhalten beschrieben, habe ich ein Pferd wahrgenommen, das unglaublich viel in sich trägt. Stärke, Mut, Intelligenz, eine Sensibilität, die ihresgleichen sucht. Ich wusste, dass er in anderen Händen viel Gewalt erfahren würde, weil sein Verhalten für die meisten Menschen schlicht nicht verständlich ist. Und ich wusste, dass ich ihn auf diesem Weg begleiten kann.

Das war kein blinder Optimismus. Das war eine Entscheidung, die auf Erfahrung beruhte.

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Wenn ein Pferd alles über das Maul löst

Fellows Art, mit der Welt umzugehen, war von Anfang an deutlich spürbar. Er löste fast alles über sein Maul. Stress, Schmerz, Überforderung, Wut — all das kam über sein Maul heraus. Er biss. Er untersuchte Situationen und Menschen mit dem Maul, um sie zu begreifen. Wenn ihm etwas zu viel wurde, griff er an. Nicht indem er floh, nicht indem er einfror. Er stellte sich. Er verteidigte sich. Frontal, direkt, ohne Umwege.

Für viele Menschen ist das das gefährlichste, was ein Pferd tun kann. Und ja, es war gefährlich. Aber ich habe nie ein böses Pferd gesehen, wenn ich Fellow angeschaut habe. Ich habe ein Pferd gesehen, das gelernt hatte, dass Angriff die einzige Form von Schutz ist, die es kennt. Ein Pferd, dessen System so aus der Balance geraten war, dass es keine andere Sprache mehr hatte.

Das zu verstehen, hat alles verändert.

Warum ich ein Verhalten nicht einfach abstelle

In meiner Arbeit mit Pferd-Mensch-Paaren stelle ich mir selten zuerst die Frage, wie ich ein Verhalten wegbekomme. Mich interessiert, warum es überhaupt entstanden ist. Welche Funktion es erfüllt. Was das Pferd darüber ausdrückt, was es vielleicht auf keine andere Art mitteilen kann.

Bei Fellow war das besonders klar. Sein Maul war kein Problem, das ich abstellen konnte. Sein Maul war sein Ausdrucksmittel. Es war die Art, wie er mit Stress umging, wie er Dinge erforschte, wie er Situationen einordnete. Hätte ich diesen Drang einfach unterbunden, ohne ihm einen anderen Weg anzubieten, hätte ich ihn verloren. Nicht körperlich, aber innerlich. Ich hätte das letzte Ventil zugemacht, das er hatte.

Das wollte ich nicht. Ich wollte einen Weg finden, über den er sein Maul einsetzen kann — und über den wir gleichzeitig etwas Sinnvolles daraus machen.

Wie das Apportieren entstand

So entstand der Gedanke, ihm das Apportieren beizubringen. Nicht als Kunststück, nicht als Trick. Sondern weil ich verstanden hatte, dass ich seinen Drang, Dinge mit dem Maul zu untersuchen und zu greifen, nicht gegen ihn verwenden durfte. Ich musste es für uns nutzen.

Und genau das haben wir getan. Schritt für Schritt, ohne Druck. Aus unkontrolliertem Zugreifen wurde gezieltes Aufnehmen. Aus Aggression über das Maul wurde Kommunikation über das Maul. Aus einem Verhalten, das uns beiden das Leben schwer gemacht hat, wurde etwas, das uns verbindet.

Das war, glaube ich, der erste Moment, in dem Fellow gespürt hat, dass ich nicht gegen ihn arbeite. Dass es jemanden gibt, der versteht, wie er funktioniert — und der genau das als Grundlage nimmt, statt es einfach zu unterbinden, weil es stört.

Warum Training allein niemals gereicht hätte

Aber an dieser Stelle muss ich etwas sagen, das mir sehr wichtig ist. Dieser Weg wäre ohne die therapeutische Begleitung nicht möglich gewesen.

Ich habe Fellow die ganze Zeit mit QiOsteopathie und Chinesischer Heilkunst begleitet. Nicht weil eine nette Ergänzung ist, sondern weil ein Pferd wie Fellow auf mehreren Ebenen gleichzeitig Unterstützung braucht. Wenn ein System aus der Balance gerät, zeigt sich das nicht nur im Verhalten. Es zeigt sich im Körper, im Nervensystem, in der Art, wie ein Pferd atmet, sich bewegt, wie es reagiert. Körperliche Spannungen und emotionale Spannungen sind bei Pferden nicht voneinander zu trennen.

Aggressionen, Wut, Rückzug, Unlust — das sind für mich keine reinen Verhaltensprobleme. Das sind Symptome eines Systems, das Hilfe braucht. Und meine Aufgabe ist es, genau dieses System zurück in seine Balance zu begleiten. Den Körper, das Nervensystem, die Emotionen. All das gehört zusammen.

Der Schlüssel zum Herzen unserer Pferde ist ihre körperliche und mentale Gesundheit. Das ist kein schöner Satz für eine Webseite. Das ist die Grundlage meiner gesamten Arbeit. Ohne diese therapeutische Begleitung hätte ich mit Fellow nicht die Schritte gehen können, die wir gegangen sind. Training allein hätte das nicht geschafft.

Wo wir gerade stehen

Ich möchte hier nicht so tun, als wäre die Geschichte schon zu Ende. Denn das ist sie nicht. Wir sind noch auf dem Weg, und das ist wundervoll und in Ordnung.

Fellow drückt Schmerz heute noch über Wut aus. Er hat noch Tage, an denen seine alten Muster zurückkommen. Aber er greift nicht mehr an. Er zieht nicht mehr durch. Er vertraut mir — und das so vollständig, dass ich alles mit ihm machen darf. Das ist keine Selbstverständlichkeit, das ist das Ergebnis von vielen, vielen gemeinsamen Schritten.

Was nach wie vor schwierig ist: andere Menschen. Fellow ist fremden Personen gegenüber noch immer sehr skeptisch. Er ist weniger gefährlich als früher, ja. Aber er ist nicht einfach. Das wird er vielleicht auch nie sein, und das akzeptiere ich.

Was ich gelernt habe, ist, dass echte Veränderung selten spektakulär aussieht. Für Außenstehende passiert oft scheinbar nichts. Aber im Herzen zwischen einem Pferd und einem Menschen verändert sich dabei ganz, ganz viel. Diese stillen Verschiebungen, die niemand sieht außer denjenigen, die mittendrin sind — genau das ist für mich der Kern der Arbeit.

Was ein Zahnarzttermin darüber sagt

Vor etwa einem Jahr war Fellows erster Zahnarzttermin. Die Zahnärztin konnte ihn kaum anfassen. Nicht weil sie etwas falsch gemacht hätte, sondern weil Fellow fremde Menschen, Berührungen und unbekannte Situationen mit Angriff beantwortet hatte. Ein Zähnecheck, ohne Sedierung, war damals nicht möglich. Aber auch Spritzen ging nicht. So wurde der Termin verschoben und ich habe ihn für den zweiten Anlauf mit einer oralen Paste selbst sediert.

Ein Jahr später — nach kontinuierlicher therapeutischer Begleitung, nach vielen kleinen Schritten im Training, nach viel gemeinsamer Zeit — konnte sie ihn jetzt ohne Sedierung untersuchen. Vollständig. Das ist für die meisten Pferde kein großes Ding. Für Fellow war es ein Meilenstein.

Das ist der Fortschritt, den ich meine. Nicht das große Video, nicht der dramatische Durchbruch. Sondern ein Zahnarzttermin, der diesmal funktioniert hat.

Warum ich so froh bin, ihn zu haben

Ich wusste von Anfang an, worauf ich mich einlasse. Ich habe Fellow nicht übernommen, weil ich ein herausforderndes Projekt suchte. Ich habe ihn übernommen, weil ich in ihm eine Persönlichkeit gesehen habe, die es wert ist, gesehen zu werden. Und weil ich wusste, dass er in anderen Händen einfach nicht verstanden werden würde. Ein Pferd, das angreift, das beißt, das sich frontal wehrt — das wird in der Pferdewelt selten mit Neugier betrachtet. Meistens wird es mit Konsequenz bekämpft. Und genau das hätte Fellow noch weiter von Menschen entfernt.

Ich bin stolz auf das, was wir bis hierher gemeinsam geschafft haben. Richtig stolz. Fellow bringt mich regelmäßig an meine eigenen Grenzen, er fordert mich heraus, er lässt mich nicht in alten Mustern verharren. Und ich bin zutiefst glücklich, ihn zu haben. Sein Vertrauen berührt mich jeden Tag neu, weil ich weiß, was es bedeutet. Weil ich weiß, wie viel es ihn gekostet hat. Und ich bin gespannt, wohin uns dieser Weg noch führt. Was wir noch gemeinsam herausfinden werden. Welche Schritte noch vor uns liegen.

Das ist keine fertige Geschichte. Das ist eine, die gerade erst richtig interessant wird.

Und wenn du bis hierher gelesen hast und irgendetwas in dir sagt, dass du deinem Pferd anders begegnen möchtest — dann vertrau genau diesem Gefühl. Schau hin. Frag dich, warum dein Pferd tut, was es tut, bevor du versuchst, es zu verändern. Hab den Mut, anders zu denken, auch wenn das altbewährte Methoden in Frage stellt. Auch wenn andere sagen, dass man das so nicht macht. Wenn dein Bauchgefühl dir sagt, dass der eingeschlagene Weg nicht stimmt, dann ist das keine Schwäche. Das ist das Wichtigste, was du deinem Pferd geben kannst.

MAVITA - Mareile Purwita Qi-Osteopathie und Chinesische Heilkunst für Pferde

Der Schlüssel zum Herzen unserer Pferde ist ihre körperliche und mentale Gesundheit.

Ich bin Mareile Purwita, Pferdetrainerin und Therapeutin für QiOsteopathie & Chinesische Heilkunst für Pferde. Ich möchte dir helfen, dein Pferd besser zu verstehen, es gesund zu trainieren und eine echte tiefe Verbindung zu ihm aufzubauen.

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