Es gibt einen Satz, den ich in der Pferdewelt immer wieder höre, und der mich jedes Mal innerlich zusammenzucken lässt. „Mein Pferd hat einfach Pech. Es ist ständig krank, ständig irgendwo lahm, ständig irgendein Problem.“ Und gleichzeitig blicken viele Besitzerinnen mit einer Mischung aus Neid und stiller Abwertung auf die Pferde, die nie etwas haben. Die einfach laufen, fressen, arbeiten und gesund bleiben. „Die hat halt Glück mit ihrem Pferd.“
Auch wenn es unbequem ist. Das ist kein Glück oder Pech. Es ist fast immer die Summe tausender kleiner Entscheidungen, die wir jeden Tag für unsere Pferde treffen.
Was die Wissenschaft längst zeigt
Ich sage das nicht nur aus meiner eigenen Erfahrung heraus. Die Forschung zur Pferd-Mensch-Beziehung bestätigt etwas, das in der Praxis längst spürbar ist, auch wenn es selten so klar ausgesprochen wird.
Eine Studie aus Wien hat untersucht, wie sich Herzfrequenzen von Pferd und Mensch während gemeinsamer Zeit verhalten. Das Ergebnis war eindeutig: Die Herzfrequenzen synchronisierten sich nur dann, wenn eine echte, gewachsene Beziehung zwischen den beiden bestand. Bei fremden Pferden passierte das nicht. Die bloße Anwesenheit eines Tieres reicht also nicht aus, um diesen beruhigenden, stressreduzierenden Effekt zu erzeugen. Es ist die Beziehung selbst, die zählt.

Eine weitere Untersuchung zu Oxytocin und Cortisol bei Mensch-Pferd-Interaktionen zeigte, dass ruhiges, aufmerksames Berühren den Bindungshormonspiegel bei Pferden deutlich erhöht, ohne dabei gleichzeitig Stresshormone ansteigen zu lassen. Das bedeutet, echte Zuwendung wirkt messbar im Körper des Pferdes, nicht nur gefühlt.
Und eine Langzeitstudie an jungen Pferden nach dem Absetzen von der Mutter fand einen Zusammenhang, der mich besonders berührt hat. Fohlen, die von erfahrenen, einfühlsamen Menschen betreut wurden, zeigten signifikant niedrigere Stresshormonwerte, weniger Ängstlichkeit und mehr Selbstvertrauen als Fohlen, die weniger aufmerksam begleitet wurden. Der entscheidende Unterschied lag in klaren, konsistenten Signalen und darin, Anspannung frühzeitig zu erkennen, bevor sie sich festsetzt.
Eine Übersichtsarbeit zur Haltung von Freizeitpferden bringt es noch deutlicher auf den Punkt. Die Forscher beschreiben eine klare Wirkungskette: Die Einstellung des Besitzers beeinflusst sein Verhalten, sein Verhalten beeinflusst die Interaktion mit dem Pferd und die Art, wie es gehalten und gemanagt wird, und all das zusammen bestimmt maßgeblich das Wohlbefinden des Pferdes. Keine dieser Studien behauptet, dass Gesundheit allein durch Liebe entsteht. Aber sie zeigen übereinstimmend, dass der Mensch an jeder einzelnen Stelle dieser Kette einen messbaren Unterschied macht.
Jedes Pferd bringt seine Baustellen mit
Ich arbeite selbst mit einem Quarter Horse, das ich für Dressurlektionen ausbilde. Er bringt einiges mit, das ihm die Arbeit theoretisch erschweren könnte. Einen schweren Rumpf. Bergab gezogen. Kleine, vergleichsweise zierliche Vorderhufe. Strukturen, die bereits in jungen Jahren sehr früh belastet wurden, bevor ich ihn übernommen habe.
Auf dem Papier könnte man sagen, dieses Pferd hat es schwerer als andere. Und das stimmt sogar. Aber genau das ist der Punkt, den ich so wichtig finde. Diese körperlichen Voraussetzungen entscheiden nicht automatisch über seine Zukunft. Sie entscheiden darüber, wie ich mit ihm arbeiten muss.

Wenn ich ihn einfach so laufen lasse, wie er von sich aus laufen würde, auf der Vorhand, mit dem schweren Rumpf, der ihn nach vorne zieht, ohne dass ich etwas dagegen tue, dann weiß ich genau, was passiert. Seine Sehnen und Bänder an den Vorderbeinen werden eine Belastung tragen müssen, die sie langfristig überfordern. Nicht sofort, aber über Monate und Jahre. Irgendwann wird er lahmen. Irgendwann wird er Schmerzen haben. Irgendwann wird er mir ausfallen, vielleicht sogar dauerhaft nicht mehr reitbar sein.
Das ist keine Vorahnung. Das ist Biomechanik.
Deshalb trainiere ich ihn bewusst. Ich arbeite gezielt daran, dass er seinen Rumpf tragen kann und dass seine Hinterhand mehr Last übernimmt. Ihn langfristig von der Vorhand zuholen und in eine Haltung zu bringen, die diese entlastet. Das ist Mehrarbeit. Das erfordert Wissen, Geduld und die Bereitschaft, nicht den einfachsten Weg zu gehen. Aber genau das macht den Unterschied zwischen einem Pferd, das trotz seiner Veranlagung gesund bleibt, und einem Pferd, dessen Veranlagung zum Verhängnis wird.
Seine körperlichen Schwächen verschwinden dadurch nicht. Aber sie werden nie sichtbar, weil ich sie von Anfang an mitgedacht habe.
Die unbequeme Wahrheit hinter dem ewig kranken Pferd
Ich mache niemandem Vorwürfe, der gerade mit einem kranken oder dauerhaft angeschlagenen Pferd kämpft. Das ist belastend genug, auch ohne dass jemand von außen den Finger darauf legt. Aber ich möchte zu etwas anregen, das in der Pferdewelt viel zu selten passiert. Eine ehrliche, wohlwollende Selbstreflexion.
Wenn ein Pferd stetig Symptome zeigt, immer wieder irgendwo klemmt, nie wirklich ganz gesund ist, dann lohnt sich die Frage: Wo schaue ich vielleicht nicht genau genug hin? Wo nehme ich die leisen Signale meines Pferdes nicht ernst genug? Gehe ich manchmal über seine Grenzen, weil ich heute keine Zeit für Pausen habe oder weil ein Trainingsplan es so vorsieht? Mache ich mir wirklich genug Gedanken über seine Ausbildung, sein Handling, seine Haltung, oder laufen diese Dinge eher nebenbei?
Und auf der anderen Seite: Wenn eine andere Besitzerin ein Pferd hat, das nie etwas zu haben scheint, das stabil, ausgeglichen und gesund durchs Leben geht, dann ist das selten Glück. Sehr wahrscheinlich macht diese Person ganz viel richtig. Sie schaut genau hin. Sie nimmt ihr Pferd und seine Signale ernst, auch die kleinen. Sie passt Training, Fütterung und Haltung immer wieder an, bevor aus einer kleinen Unstimmigkeit ein echtes Problem wird.
Das ist kein Vorwurf an irgendjemanden. Es ist eine Einladung, genauer hinzuschauen, bevor wir vorschnell von Pech sprechen.

Was wirklich in unserer Hand liegt
Wir beeinflussen das gesamte Leben unserer Pferde. Wie sie leben. Wie sie sich bewegen. Was sie fressen. Mit wem sie ihren Alltag verbringen. Und trotzdem glauben wir bei Krankheit oft, wir hätten einfach nur Pech gehabt. Das ist, wenn ich ehrlich bin, ziemlich widersprüchlich.
Unser Pferd muss nicht übergewichtig sein. Unser Pferd muss nicht zwanzig Stunden am Tag in einer Box stehen. Unser Pferd muss nicht hungern, nur weil ein Fütterungsplan das vorsieht, ohne das individuelle Tier wirklich zu betrachten. Unser Pferd muss nicht in einer Herde leben, in der es sich nicht wohlfühlt, nur weil der Stallplatz praktisch liegt. Unser Pferd muss nicht unphysiologisch bewegt werden, nur weil eine Methode gerade angesagt ist. Unser Pferd muss keine Trageerschöpfung entwickeln, weil niemand seinen Rumpf und seine Tragkraft aufgebaut hat. Und vor allem muss unser Pferd nicht unseren eigenen Stress und unsere eigene Hektik aushalten, nur weil wir sie mit in den Stall tragen.
All das können wir beeinflussen. Jeden einzelnen Tag. Es liegt bei uns.
Was ich mir für jede Pferdebesitzerin wünsche
Jedes Pferd kann ein gesundes Pferd sein. Nicht jedes Pferd startet mit den gleichen Voraussetzungen, das zeigt mein Fellow sehr deutlich. Aber die Voraussetzungen entscheiden nicht über das Ergebnis. Was darüber entscheidet, ist, wie bewusst wir mit diesen Voraussetzungen umgehen.
Ich möchte dich einladen, genau hinzuschauen, wenn dein Pferd wiederholt Probleme zeigt, anstatt es als Schicksal abzutun. Nicht um dir ein schlechtes Gefühl zu geben, sondern weil genau in diesem Hinschauen die Möglichkeit liegt, etwas zu verändern. Und ich möchte dich einladen, nicht auf die Besitzerinnen herabzusehen, deren Pferde nie etwas zu haben scheinen, sondern neugierig zu werden, was sie vielleicht anders machen.
Gesundheit bei unseren Pferden ist selten Zufall. Sie ist das Ergebnis von Aufmerksamkeit, von Wissen, von der Bereitschaft, Schwächen zu erkennen und gezielt auszugleichen, bevor sie zu echten Problemen werden. Das ist mehr Arbeit, als einfach zu hoffen, dass alles gut geht. Aber es liegt in unserer Hand. Jeden Tag neu.
Warum Therapie und Training zusammengehören
Gutes Training allein reicht oft nicht aus, um ein Pferd dauerhaft gesund zu halten, besonders wenn es wie mein Fellow schon mit körperlichen Baustellen oder Vorbelastungen startet. Training formt die Muskulatur, verbessert die Haltung, verteilt Last neu. Aber es erreicht nicht jede Blockade, die sich über Jahre im Gewebe, in Faszien oder im Nervensystem festgesetzt hat. Genau hier setzt für mich die QiOsteopathie und Chinesische Heilkunst an, nicht als Ersatz für Training, sondern als seine notwendige Ergänzung.
Ein Pferd, dessen Energiefluss gestört ist, dessen System unter chronischer Anspannung steht, kann selbst mit dem besten Training nur bedingt profitieren. Der Körper kompensiert, bevor er wirklich lernt. Erst wenn Blockaden gelöst sind und das System seine Selbstregulation zurückbekommt, kann Training auch wirklich ankommen und etwas Nachhaltiges aufbauen, statt nur Symptome zu überdecken.
Das ist auch der Grund, warum ich meine Pferde und die meiner Kunden nicht nur einmal anschaue, wenn etwas schon schmerzt, sondern langfristig begleite. Regelmäßige Chinesische Heilkunst deckt frühzeitig auf, wo sich Spannung aufbaut, lange bevor daraus Lahmheit, Trageerschöpfung oder chronische Probleme, wie Asthma, Husten, Ekzeme, Magengeschwüre o.ä. werden. In Kombination mit einem Training, das gezielt auf die individuellen Schwächen eines Pferdes eingeht, und einer Besitzerin, die aufmerksam hinschaut und die leisen Signale ihres Pferdes ernst nimmt, entsteht etwas, das ich immer wieder beobachte: Pferde, die über Jahre erstaunlich symptomfrei bleiben, selbst wenn ihre Ausgangslage alles andere als ideal war.
Keiner dieser drei Bausteine ersetzt die anderen. Das aufmerksame Hinschauen des Menschen ohne fundiertes Training nützt wenig. Gutes Training ohne therapeutische Begleitung erreicht nicht jede Baustelle im Körper. Und die beste Therapie verpufft, wenn im Alltag niemand hinschaut, was das Pferd zwischen den Terminen eigentlich braucht. Erst im Zusammenspiel aller drei entsteht das, worüber ich eingangs geschrieben habe. Kein Pech. Kein Zufall. Sondern das Ergebnis einer Beziehung, in der Körper, Training und Wahrnehmung jeden Tag neu zusammenwirken.

Der Schlüssel zum Herzen unserer Pferde ist ihre körperliche und mentale Gesundheit.
Ich bin Mareile Purwita, Pferdetrainerin und Therapeutin für QiOsteopathie & Chinesische Heilkunst für Pferde. Ich möchte dir helfen, dein Pferd besser zu verstehen, es gesund zu trainieren und eine echte tiefe Verbindung zu ihm aufzubauen.

